So knackst du auch die schweren Brocken

Vielleicht kennst du das. Du übst einen Song eine Ewigkeit ohne (nennenswerte) Fortschritte zu machen. Jeden Tag sitzt du am Bass und versuchst dir dieses verfluchte Lied draufzuschaffen. Vielleicht hast du schon Stunden daran zugebracht und fliegst noch immer an den selben Stellen raus wie am Anfang. Das kann frustrieren und zu dem Glauben führen, dass du es halt „einfach nicht drauf hast“.

Du bist eben weder Marcus Miller noch Victor Wooten oder sonst einer von den Freaks, die mit drei Jahren schon täglich 8 Stunden Musikunterricht hatten ;-).

Wahrscheinlich ist es genau das, du hast zu spät angefangen Bass zu spielen! Deshalb wirst du niemals die Chance haben, so gut zu sein wie die bekannten Bassgrößen. Du wirst nie so schnell sein wie John Myung, nie so tight slappen wie Flea und nie so hübsch sein wie Lemmy. Richtig? Falsch!

Die Rettung ist nah, es gibt nämlich eine ganz klare und einfach Herangehensweise extrem schwere Stücke schnell spielen zu lernen und zu perfektionieren.

Mach es in Häppchen

Dein Gehirn kann nicht alles auf einmal lernen, es braucht mundgerechte Häppchen. Wenn du dir zuviel auf einmal vornimmst, ist es wie wenn mehrere Leute gleichzeitig durch eine Tür drängen wollen: sie bleiben stecken und es kommt garkeiner durch.

Ein Song besteht aus mehreren Parts und jeder Part besteht wieder aus mehreren Einzelteilen.
Angenommen du nimmst dir ein einzelnes Riff vor, besteht das (rein technisch betrachtet) aus vielen kleinen Schwierigkeiten, die es zu bewältigen gilt.

Schwierigkeiten von denen Jede für sich deiner Aufmerksamkeit bedarf, wenn du das Riff tatsächlich sauber hinkriegen willst.

Schau dir diese kleinen Aufgaben genau an, die sich in deinem Riff verstecken und nimm sie dir ganz bewusst einzeln vor. So und nur so lernst du jeden Song perfekt zu spielen!
Mit kleinen Schwierigkeiten meine ich wirklich wiiiinzige Passagen. Das können manchmal nur zwei Töne sein, die aufeinander folgen.

Gehe Schritt für Schritt vor

Hast du zum Beispiel Probleme bei einem bestimmten Sprung über zwei Saiten? Gut, dann schau es dir genau an:

Was ist konkret das Problem? Bist du zu langsam? Triffst du die Saite nicht richtig? Sind deine Hände nicht synchron?
Was kannst du verändern, um es hinzukriegen? Ist deine Technik in Ordnung oder musst du vielleicht deine Handhaltung anpassen? Ist dir das Tempo zu schnell?

Übe erstmal nur diese eine Stelle. Bedenke: Dein Gehirn kann nicht so viel gleichzeitig. Also eins nach dem anderen

Was kommt danach? Ein schwieriger Lauf über mehrere Saiten? Nimm ihn auseinander, bis in die kleinsten Teile. Übe zuerst nur die ersten beiden Noten und nimm die Dritte hinzu, wenn du dich sicher fühlst.
Wenn du die ersten Drei perfekt kannst, nimm auch die Vierte dazu usw…

Ist der Schritt von der Vierten zur Fünften besonders schwer? Dann übe nur diese Beiden! Bis du sie kannst!

Wenn das klappt, baue deine geübten Parts zusammen und schaue ob es noch Schwierigkeiten gibt. Wenn es welche gibt, isoliere sie wieder und nimm sie dir ganz konkret vor. Finde die genaue Stelle wo das Problem liegt und merze es aus, indem du nur diese kleine Stelle übst.

Mit Geduld klappts

Das meine ich, wenn ich von kleinen Häppchen spreche.

Ein kleiner Schritt nach dem Anderen führt dich effektiv schneller ans Ziel als ein paar sieben Meilen Stiefel, deren Richtung du nicht bestimmen kannst.

Du kannst mir glauben: Das klappt! Der einzige Nachteil dabei ist, dass du Geduld brauchst. Da kommst du nicht dran vorbei. Ein Instrument lernen ist wie einen Marathon zu laufen. Du musst stetig am Ball bleiben.

Versuchst du es zu hastig und zu viel auf einmal, bremst du dich im Endeffekt selbst. Dazu kommt, dass du dich in beiden Fällen (beim Üben und beim Marathon) dabei verletzen kannst und womöglich ganz ausfällst.

Je mehr Zeit du dir lässt, desto weniger wirst du im Endeffekt brauchen.
Das Paradox ist, je mehr Geduld du hast, desto schneller kommst du voran.

Fazit:
Um die richtig schweren Dinger am schnellsten zu lernen, gehst du es am besten ganz in Ruhe an. Unterteile das, was du üben willst in so kleine Häppchen wie möglich und gehe langsam und strukturiert Schritt für Schritt vor.

Einfach machen,

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5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Guter Artikel,
    habe diese Woche nach 20 Jahren nochmal eine Bassstunde genommen und weitere gebucht.
    Bei dieser Bassstunde ist genau das rausgekommen, was Du oben beschrieben hast. Einzelne Parts isolieren.
    Jetzt habe ich fast eine Woche genau das praktiziert und bin weiter gekommen als in den letzten 1,5 Jahren davor.
    Ich danke Dir übrigens für den Tip, mir nochmal einen qualifizierten Basslehrer zu suchen um mein Problem in den Griff zu kriegen. 😉

    Gruß
    DeeJay

    1. Hey DeeJay,

      Das freut mich total für dich. Ich hab heute noch ein Interview mit Stu Hamm gelesen, wo er sagte: „There’s no upside to being uninformed“.
      Also, es hat keine Vorteile etwas nicht zu wissen und nicht zu können. So hat es auch keine Vorteile nicht stetig zu lernen und sich zu verbessern.
      Und das geht nunmal am besten mit professionellem Unterricht.
      Schön, dass ich bei dir einen kleinen Teil beitragen konnte.

      Schöne Grüße.

  2. Diese kleinen Schritte bringens wirklich!
    Ich hab letztens ein Youtube Video einer Schlagzeugerin gesehen und die hatte auch erzählt wenn man Übungen langsam und gleichmäßig macht, anstatt einfach draufzuhauen verinnerlicht man diese kleinen Schritte. Seit ich auch mal am Stück einige Töne bewusst und konzentriert langsam, mit dem gleichen Anschlag und der gleichen Lautstärke spiele klingt es schon gleichmäßiger wenn man mal was aufnimmt.
    Geduld zahlt sich also wirklich aus 😉

  3. Hallo Denis Ich kann keine Lieder spielen weil das für mich einfach zu schwer ist.Freue mich auf Antwort.Meine Mutti hat mir ein Buch gegeben mit Liedern aber das Buch ist nichts für mich

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