Was Bass üben und Gewicht heben gemeinsam haben

bass üben

In diesem Artikel will ich dir erzählen, wie ich entdeckte, dass man manchmal einfach nur zu warten braucht, während die Dinge sich von selbst üben. Wie das gehen soll? Dazu will ich dir eine kleine Geschichte erzählen.

Es war das Jahr 2013 als ich den Sport für mich entdeckte. Ich war eigentlich die totale Couch Potato wie man so schön sagt und hatte einfach die Schnauze voll. Ich wollte fitter werden und suchte mir eine Sportart, die zu mir passte.

Lange Rede, kurzer Sinn, ich denke die meisten Sportler kennen das: ich verliebte mich in ins Sporteln. Fast jeden Tag betrieb ich irgendetwas, entweder ging ich zu meinem Kampfsportkurs, machte Krafttraining zuhause oder ging joggen.

Dann aber ging ich mit meiner kleinen Familie auf Reisen. Drei Monate mit dem VW-Bus durch Europa, da war nicht mehr viel mit Sport erstmal. Wir wollten aus unserem alten Leben ausbrechen und entdecken, was es noch so alles gibt.

Über Belgien und Frankreich nach England, bis in die schottischen Highlands. Dann wieder zurück nach Holland, durch Dänemark und nach Schweden bis wir unsere letzten zwei Wochen auf einem Biobauernhof in Brandenburg verbrachten.

Mein ehrgeiziges Sportpensum, vor allem das Joggen kam dabei deutlich zu kurz, sodass ich schon fürchtete auf einem neuen fitnesstechnischen Tiefpunkt gelandet zu sein. Dann passierte aber etwas überraschendes.

Ich rappelte mich auf und ging wieder laufen und was war da los?! Ich lief meine absolute Bestzeit ever! Und das ohne mich dafür sonderlich anzustrengen!

Es war mir vollkommen unerklärlich, immerhin war ich volle zwei Wochen kein Stück gelaufen und hatte auch sonst nichts sportmäßiges unternommen. Wie konnte es also sein, dass ich mich verbessert hatte, ohne etwas dafür zu tun? Was sind die Gründe dafür? Da musste doch irgendein Prinzip hinter stecken!

Dann wurde mir klar, dass ich Ähnliches beim Bass Üben auch schon erlebt hatte. Ich biss mir die Zähne an einem schnellen und komplizierten Riff aus, tagelang, wochenlang! Solange bis es mir reichte und ich das ganze Ding sein ließ. Frustriert und desillusioniert.

Irgendwann Wochen später kam mir das Riff aber wieder in den Sinn. Ich hatte es bis dahin weder geübt, noch überhaupt daran gedacht, ich hatte es komplett aus dem Bewusstsein verloren.

Ich probierte es nochmal aus und siehe da: es klappte! Das Ding, das mich Unmengen Zeit und Nerven gekostet hatte und am Ende immernoch nicht hingehauen hatte, klappte jetzt von alleine. Einfach so!
Kennst du das? Ist dir das auch schonmal passiert? Bestimmt! Das Wunder ist nämlich garkein Wunder, sondern ein ganz normaler neurologischer Vorgang und hat sogar einen Namen.

Bass üben mit „Post practice improvement“ kurz PPI.

Das Prinzip dahinter ist ganz einfach und besagt folgendes: Die eigentliche Verbesserung kommt nicht während des Übens (Training), sondern in der Ruhephase danach. Auch die Muskeln eines Bodybuilders wachsen nicht während er trainiert, sondern in der anschließenden Regenerationsphase.

Durchs Training wie durchs Üben wird lediglich ein Reiz gesetzt, der das Wachstum initiiert. Das gilt sowohl für große Muskelgruppen, als auch für unsere kleineren Muskeln, die wir zum Bassspielen brauchen und unsere Sehnen und Synapsen.

Klar, während des Übens gibt es schon einen Lerneffekt. Der ist aber meist ziemlich überschaubar und leitet einen zusätzlichen Prozess ein. Er sät einen Samen sozusagen.

Erst wenn wir nach dem Üben pausieren, entfaltet sich der volle Effekt. Nach ein paar Stunden, einem Tag, einer Woche wirst du merken, dass sich einmal Gelerntes immer besser festgesetzt hat.

Es stimmt wirklich, die eigentliche Entwicklung findet in den Regenerationsphasen statt. Das ist auch der Grund warum Babys so viel schlafen. Nie mehr im Leben lernt man so schnell und viel wie als Baby und niemals hat man im Leben so viel Schlaf nötig wie als Baby.

Auch Fitnessttrainer empfehlen ihren Klienten immer ausreichend auf ihre Regeneration zu achten. Nicht nur um kleine Verletzungen abheilen zu lassen, sondern insbesondere um den nachwirkenden Effekt des Trainings bestmöglich zu nutzen.

So wachsen und entwickeln sich auch Muskeln in den Ruhephasen. Das ist nochmal ein bisschen was anderes als bei uns, folgt aber dem selben Prinzip.

Was nützt dir PPI?

  • Wenn du erstmal um die Existenz von PPI weißt, kannst du entspannter an schwere Aufgaben rangehen. Wenn etwas jetzt nicht klappt, heißt es nicht, dass es morgen nicht schon besser funktioniert.
  • Du brauchst dir in einer Übesession nicht die Zähne an etwas auszubeißen, selbst wenn deine Konzentration schon nachlässt. Es ist viel effektiver eine Pause einzulegen und später weiter zu machen.
  • Du kannst dein Üben entsprechend planen: Teile zum Beispiel eine lange Sitzung in zwei Kleinere auf um eine Pause dazwischen zu haben. Oder übe an aufeinanderfolgenden Tagen verschiedene Dinge, um PPI vernünftig wirken lassen zu können.

Es klingt wie Zauberei, ich weiß. Es funktioniert aber und es ist wirklich cool.

Was hast du für Erfahrungen damit gemacht? Kennst du das, dich ohne zu üben weiterzuentwickeln?

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7 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Denis,
    diesen Effekt kann ich bestätigen. Ich hatte vor langer Zeit bei der Vorbereitung zu einem Vordiplom immer wieder 20 – 30 Minuten “Schlummerphasen” eingeschoben und dabei gemerkt, daß sich das gelernte sehr gut festsetzt, das Gehirn das ganze erst mal verarbeitet.

    Daß Babys und Kleinkinder leichter lernen hängt aber eher an deren Gehirnfrequenz. Die ist nämlich langsamer als bei uns Erwachsenen, was wiederum mit “Entspanntheit” zu tun hat. Du kannst diese Gehirnfrequenz über langes Meditieren erreichen. Oder innerhalb 60 Minuten Floaten.
    sonnige Grüße
    Bernhard

    1. Hey Bernhard,
      Danke für den Zusatz. Meditieren steht bei mir schon lange auf der Liste. Dass es auch beim Üben helfen soll, wundert mich garnicht.

  2. Hallo Denis,

    Hast du gut beschrieben!

    Schöne Grüße von … meinen Joggingschuhen und meiner Bassgitarre

    Thorsten

    PS: Möglicher Themenvorschlag:
    Welche Hilfsmittel kommen bei dir / deinen Schülern zum Einsatz?

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